Aus meiner Militärzeit
Text + Bilder © Barbara Blesch
Eingeweihte wissen ja, dass ich seit einiger Zeit als Schützenkamel in der B.P.P.A. (Barbarisch-pazifistische Privatarmee) diene. Aber nur wenige wissen, wie es dazu kam.
An einem warmen Februartag 2004 nahe der algerischen Grenze biwakierten wir in einer idyllischen schwarzen Schlucht an einem Salzfluß, der netten Sand und Matschstreifen und Gueltas (wassergefüllte Felsbecken) bot.



In der Spätdämmerung, nach der Futter- und Spielestunde bezog ich wie immer meinen Posten, da kann ich einfach nicht anders. Ein gepflegtes Wach- und Schlummerloch buddeln, einrollen und Umgebung abscannen. Papa meinte dann nur: "Schütze Imi hat seine Stellung bezogen." Von Mama kam ein prüfender Blick: "Schütze? Das ist bestenfalls ein Schützenkamel." Das hat mir Papa eingebrockt weil er immer sagt, ich sehe aus wie ein Kamel wenn ich einen langen Hals mache um besser sehen zu können.

Nun war ich endgültig dienstverpflichtet und konnte noch in dieser Nacht meine Qualitäten beweisen. 2 Stunden später gab ich Mega-Alarm. Meine Menschen mit ihren stumpfen Sinnen schalten mich der Hysterie - bis auch sie endlich den Mann mit der Kamelkarawane auf unser Lager zukommen sahen. Die Schlucht ist sehr eng, weshalb er sehr, sehr nah an unser Lager kam. Ich war rehabilitiert und meine Menschen gelobten Besserung.

Unsere diesjährige Reise bot zahlreiche Kontakte zu anderen Armeen, besonders den Königlichen Streitkräften Marokkos. Unser Tourprogramm war: "So nah als möglich entlang der Südgrenze". Alles andere kannten wir ja schon..... Der erste Kontakt war denn auch Klasse. Wir kamen an einem idyllischen Militärposten mit Schikanen und allem Befestigungskram an, gelegen an einer kleinen Schlucht mit Oase, besetzt von 2 netten Vorruheständlern und einem jüngeren Soldaten. Eigentlich ist ja Funktion dieses Postens zu verhindern, dass hier weiter südlich gefahren wird - und wir kamen von Süden. Die Jungs waren sportlich und fragten nur, ob wir von der Dakarpiste oder aus dem Flusssystem kämen. Als wir zweiteres bejahten gab's Beifall - Rallypiste kann ja jeder;)





Außerdem hat uns der doofe Posten letztes Jahr dort zurück zum Asphalt geschickt - vielleicht weil einen Tag später die Dakar da durch ging. Das war übrigens ein richtig doofer Posten, den mochte ich gar nicht. Von denen habe ich auch kein Brot genommen.


Es gab noch Tee für die Menschen und lecker Brot für alle - und ich durfte die Militärkatze nicht jagen, Mist! Nach einer knappen Stunde hatte die vorgesetzte Dienststelle auf den Funkspruch wegen der "verirrten" Touristen reagiert und wir konnten unseren Wünschen entsprechend weiter fahren. Mama legt in diesem Zusammenhang übrigens Wert auf die Feststellung, dass sie nur Grenzabenteuer macht, die in einem franz. Pistenführer, der vom marokkanischen Tourismusminister abgesegnet ist, verzeichnet sind. Mit Hund kann man sich illegale Grenzübertritte schon gar nicht leisten. Denn was soll aus mir werden, wenn meine Menschen in Algerien im Knast sind?