Wir hatten dann erst mal lange Zeit Ruhe, da wir am Atlantik waren. Aber dann mussten meine Menschen ja unbedingt in die Gegend südlich von Smara. Da gibt es ganz dolle prähistorische Sachen, so z.B. eine Gravur von Hunden bei der Straußenjagd und so ne Steinhaufen, Tumuli genannt, auf die Mama so wild ist. Im Gegensatz zu sonst sind die dort rechteckig. Das hat sie noch nie gesehen.



Bei den Hundegravuren verbrachten wir einen friedlichen Nachmittag und Abend, abgesehen davon, dass ein paar Nomaden mit ihren Land Rovern längs kamen und zu einem freundlichen, unaufdringlichen Plausch kurz anhielten. War - wie immer - ein imarakompatibler Platz mit viel Sand, sehr idyllisch.




Am nächsten Morgen dann der Aufbruch zu den Stufentumuli. Die Gegend wurde immer einsamer, keine Nomadenlager, nichts. Wir trafen noch auf einen imposanten Nomadenfriedhof bevor wir in ein breites Flusssystem kamen, das es zu queren galt. Frohgemut fuhren wir dann auf einer schwarzen Kieselfläche, jeden Moment mussten diese Zeugen einer unbekannten Kultur auftauchen - da überholte uns ein hysterisch hupender Toyo. Später sagte Mama, der hupte so hysterisch wie ich kläffe. Na ja, ich antwortete ihm erst mal, denn wenn ein Toyo um Hilfe schreit bin ich zur Stelle! Mama knurrte erst noch: Noch nicht mal hier haste vor den Heizer-Touris Ruhe - aber es waren keine Touris. Der Militärtoyo hielt vor uns, nach etwa 10 Sekunden wurden vorsichtig die Türen geöffnet und 2 mißtrauische Militärs in Arbeitsanzug stiegen langsam aus.




Mama holte in gewohnter Routine das vorbereitete "Fiche d'etat civil" heraus, ein Zettel auf dem von Namen über Passportnummer, Name der Eltern bis zur Zulassung des Fahrzeugs alle Daten verzeichnet sind. Aber leider war diesmal nicht "Zettel-und-gut". "Dieses Gebiet ist strikt verboten - für Marokkaner wie für Ausländer." Wir befanden uns etwa 30 Kilometer von der mauretanischen Grenze. Der Colonel war sehr freundlich - aber wir mussten ihn zu seinem Posten begleiten. Da standen wir dann gemütlich in der Mittagssonne vor dem Fort, bewacht von einem freundlichen Soldaten, bis unser Colonel wieder kam, eine Flasche Tafelwasser und eine Tüte mit mehreren Kilo Orangen in der Hand. Die bekamen wir, verbunden mit der Bitte, ihn doch 40 Kilometer zum Fort Amgala zu begleiten. Sein Vorgesetzter dort möchte meine Menschen besichtigen. Mama äußerte noch die Bitte, ob man nicht vielleicht an den Stufentumuli vorbeifahren könne - inch'allah war die Antwort.
Und dann ging die wilde Jagd los. Der Militärtoyo mit seinem fetten Benzinmotor bretterte in mittlerer Rallygeschwindigkeit. Wir schlichen hinterher. Nach einigen Kilometern stoppte er, Colonel stieg aus und bat uns, ein wenig zu beschleunigen. "Der hat gut reden, mit einem Militärmöhrchen, das ich nicht selbst bezahlen muß, kann ich mir das auch leisten."grummelte Papa. Stufentumuli gabs keine, aber nette Wüstenlandschaft. Und das Grenzfort Amgala, direkt an der mauretanischen Grenze, hat meine Menschen wirklich beeindruckt. Einzigartige Architektur, möglicherweise noch aus der spanischen Kolonialzeit? Aber eigentlich haben die Spanier bei ihrem Abzug 1975 alles in die Luft gesprengt sagt Mama. Der Vorgesetzte war übrigens sehr freundlich, leger im Joggingdress, Handy in der Hand, genau wie unser Colonel gesagt hatte, wir hatten nichts zu befürchten. Die Menschen plauderten noch ein wenig, die Offiziere bedauerten noch mal, dass wir unseren Besuch in der Region nicht durchführen können, vielleicht eines Tages, inch'allah. Mama konnte sich nicht verkneifen zu sagen, dass sie hoffe, in 5 Jahren hier einen Camping vorzufinden. Sie hatte sich bereits entzückt über die Kaserne geäußert. Uns wurde noch Wasser, Nahrung und Treibstoff angeboten - meine Menschen waren sehr versucht zu sagen: macht doch mal den 180 l -Zusatztank voll - nur von Fleisch für mich war leider nicht die Rede.