Meine Menschen und ich hatten inzwischen nur noch einen Wunsch: eine gemütliche Cafepause, ganz privat. Aber leider, leider wurden wir nicht, wie vermutet, die Dakarpiste (Dakarpisten gibt es im Süden wie Sand am Meer ;)) zurückgeschickt sondern bekamen einen Toyo, diesmal nur mit einem Major-Adjudant, der uns nach Smara bringen sollte, 80 Kilometer. Und wieder affenschnell über Wellblechpisten, arme Rollhütte. Unterwegs hielten wir an einem Panoramapunkt an, ich konnte endlich mal wieder pinkeln gehen und Mama Fotos machen. Kurz danach war beim Militär der Spritfilter dicht, musste mal mit Lippenkraft kurz durchgepustet werden - und da sah Papa den Motorraum. Er war tief beeindruckt. Der Toyo hatte schon gut Wüstenstaub geschluckt - aber das Aggregat sah aus wie im Verkaufsraum Neuwagen. "Jeden Abend Wagenpflege" verkündete der befragte Adjudant stolz. Seither war Papa fleißig und hat mit der Zahnbürste den Wüstenstaub aus den hintersten Winkeln geholt. Motorwäsche gibt's bei uns nicht - aber jetzt, mit fast 6 Jahren, sieht auch das Herz unserer Rollhütte aus wie geleckt.



An der Asphaltstraße wollten wir nach links abbiegen, aber Nix da. Unser Major-Adjudant sagte: "Meine Mission ist, Euch an der Straßensperre vor Smara der Gendarmerie zu übergeben." Nun denn, noch mal 10 Kilometer in die falsche Richtung, wir wurden übergeben und die Militärs hoppelten fröhlich auf einer Piste nach Smara-City, vermutlich den unerwarteten Samstagabend in der Stadt feiern anstatt auf einem Posten in the middle of nowhere. Aber der Gendarm war den Umweg wert sagt Mama. Ein hoch gewachsener, schlanker Typ, edle Gesichtszüge mit wunderbaren Schlafzimmeraugen und unnachahmlicher Laszivität, wie er den kleinen Finger gegen eine bei der Rasur verwundete Stelle hielt. "Habt Ihr Euch verirrt?" säuselte er, uns dabei tief in die Augen blickend. "Nein, wir suchten prähistorische Monumente" antworteten meine Menschen fröhlich. "Nein, diese Militärs" flötete er mit entzückendem Augenaufschlag zurück, begleitet von etwas, was Mama eine "anscheinend internationale Handbewegung" nannte. Kaum hatten wir gewendet und unterwegs zum Schlafplatz da quietschte sie auch los: "was ‚ne süße Schwester. Einfach Idealbesetzung für Franknfurter." Am nächsten Tag trafen wir unseren Freund noch 2 Mal, weil wir nach Smara zum Einkaufen fuhren. Und beim 2. Mal tupfte er sich gerade wieder so niedlich im Gesicht herum - wir hatten den Armen beim Essen gestört. Meine Menschen, besonders Mama, waren von ihm sehr angetan.
Allerdings muß ich anmerken, dass natürlich wir Militärs an diesem Tag punkto Männer den Topplatz belegten. Meine Menschen waren sehr beeindruckt von dem Colonel, der sie "gefangen" hatte. Mama nennt ihn ein sehr gelungenes Gesamtkunstwerk, ganzheitlich betrachtet. Und das will was heißen, wenn diese überzeugte Pazifistin so etwas über einen Soldaten einer kriegsführenden Armee (z.Zt. im Waffenstillstand) sagt. Also Mädels, falls ihr ihn kennen lernen wollt, gibt Euch Mama gern die GPS-Koordinaten ihres Aufgriffs im Sperrgebiet.
Der Abend wurde noch richtig heftig, statt mit Militärs musste ich mich beim Abendgang mit Windhosen rumprügeln. Mama hat sich totgelacht, als mich die erste erwischte. War für mich eine Premiere. Bei der 2. wusste ich dann, wie ich mich optimal verhalte. Aber trotzdem haben wir beide viel Staub geschluckt. Mir wurden an diesem Abend auch noch besondere Leckers und Würdigungen zuteil. Meine Menschen waren mit meinem Verhalten an diesem stressigen, nicht gerade artgerechten Tag mehr als zufrieden. Ich hatte mich im Sperrgebiet extrem dezent und diplomatisch gezeigt, nicht ein Fehlverhalten.


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