Am nächsten Morgen, während Mama in ihrem Französischlexikon nach den verschiedenen Militärgraden suchte, um mich endlich aus dem elenden Stand des Schützenkamels zu erheben (wegen Tapferkeit und klugen strategischen Verhaltens bei Begegnungen mit Fremdarmeen) feierte ich schon mal meine bevorstehende Beförderung, indem ich eine Wüstenspringmaus(Jaculus jaculus) ausbuddelte. Schützenkamelen steht das nicht zu, war für mich noch eine Premiere. Als ich endlich nach einem knappen Meter Tiefgrabung bei ihr angekommen war, sprang sie aus dem Loch und raste mit einem Affenzahn und Haken quer über die Fläche, ich dicht hinterher, bis sie nach einem knappen Kilometer kurz vor meiner Nase in einem Bau verschwand. Also noch mal ‚nen Meter buddeln wollte ich nicht, zumal auch Mama meinte, ich sei etwas weit vom Lager. Hey, sie konnte mich doch noch sehen - und ich sie!


Bei meiner Rückkehr wurde ich dann zum Corporal befördert, Papa war inzwischen - seiner Funktion entsprechend - als Marechal-des-logis ernannt. Mama, Oberbefehlshaberin der B.P.P.A., war der Meinung, nach dem Vortag sei es an der Zeit, etwas Struktur in unsere Armee zu bringen. Und nun sucht Mama verzweifelt nach der korrekten Beförderungsfolge der marokkanischen Armee. Denn inzwischen schuldet sie mir noch 2 Beförderungen! Also, falls einer der Mitleser vielleicht Ahnung von diesen Dienstgraden hat..... Google war da irgendwie auch nicht so der Winner…
Den ganzen Militärkram habe ich übrigens - jedenfalls zum Teil - einem Schweizer zu verdanken. Am Strand lasen meine Menschen "Gourama" einen Roman aus der Fremdenlegion von Friedrich Glauser. Im weiteren Verlauf der Reise waren meine Menschen denn doch froh, das gelesen zu haben, konnten sie doch so manchen Nerv mit Humor füllen. Wenn man weiß, wozu Ordonnanzen nützlich sind, was ein B.M.C. ist wird so manches verständlicher.
Eigentlich wollte unsere Truppe ja noch weiter, im ehemaligen Minengebiet noch mehr klasse Tumuli und Totenstädte gucken, aber das Wetter war grau und düster, wir hätten zahlreiche unsichere ehemalige Verteidigungsgürtel durchfahren müssen. Als dann auch noch der Einstieg zur Piste durch die Erweiterung der Straße unbenutzbar geworden war folgten meine Menschen ihrem Bauchgefühl blieben gemütlich auf dem Asphalt.

Zu unserer großen Freude blieben wir auf der weiteren Tour von störrischen Posten unbehelligt und fuhren in Gegenden herum, die vor 10-12 Jahren noch Sperrgebiet waren. Auch hier eine Fülle von Mamas Steinhaufen, aber leider widerwärtiger Staubwind - man sieht Nix und selbst die Cafepausen sind ungemütlich. Im Flussbett des Dra konnten wir nicht das andere Ufer sehen, obwohl da richtig hohe Berge sind.



Als Corporal ging ich natürlich meiner Wachpflicht mit mehr Würde und Sorgfalt nach. Im Zweifel sagte Mama: "Etwas Disziplin, Corporal" und ich besann mich darauf. Umsichtig leitete ich Kamelherden ums Lager, die Biester sind aber auch neugierig und meldete Besucher. Natürlich hielt ich das Lager auch von diesen aufdringlichen Sahara-Steinschmätzern frei.


Aber die unbeschwerten Tage ohne grüne Männchen, nur mit schlichtem Wachdienst, hatten bald ein Ende. Wieder ging es entlang der algerischen Grenze, diesmal von Mhamid nach Osten. Bis zu den berühmten Dünen von Merzouga war auch alles friedlich. Dort begann allerdings am Morgen auf einmal der Toyo, genau wie ich, auf die Dünen zu rennen. Leider saß ich drin und konnte nicht mitmachen. Allerdings hat sich die Rollhütte ein wenig übernommen dabei. Auf einmal kippte sie seitlich sehr schräg und wollte nicht mehr weiter.