Ich durfte erst mal raus und buddelte mir ein gemütliches Wachloch im Sand. Papa buddelte um den Toyo rum, obwohl da gar keine Mäuse waren, und Mama rannte mit dem Silberding namens Digicam durch die Gegend. Der Toyo hat sich dann wieder aus dem Sand gequält, ihr hättet den Armen mal Schreien hören sollen. Da habe ich mich doch sehr aufgeregt. Meine Menschen übrigens auch, obwohl sie äußerlich ganz cool taten.



Ab da gings dann von Posten zu Posten, sie waren immer schön deutlich platziert. Mama unterscheidet ja verschiedene Stilepochen, Architektur und Design marokkanischer Grenzposten ist jetzt ihr neues Hobby. Hauptrichtungen sind Kasematte (schlicht und in Umgebungsfarbe) Neo I (bräunliches Rosa, bessere Ausstattung, aber kein Dekor) und Neo II (Lustschloß genannt, rosa mit weißen Zinnen, das Design des 21. Jh.) Grundregel: so lange die Posten irgendwie rosa sind, ist die Welt in Ordnung und kein Sperrgebiet. Neo I ist auch gern mit Wachturm Typ "Wetterhäuschen" kombiniert. Sehr interessantes Fachgebiet jedenfalls, sagt sie.
Die Besatzungen in diesem Gebiet waren sehr freundlich. In einen Neo I mit Wetterhäuschen fuhren wir rein, da hatte es so einen guten Panoramablick. Ein Uniformierter hielt uns an, wir plauderten mal wieder über Fußball. In wehender hellblauer Gandura, dem langen traditionellen Hemd, kam mit Kuli in der Hand der verantwortliche Sergeant. Mama fühlte sich sehr an einen Römer aus Asterix erinnert. Die Jungs wollten noch nicht mal Papiere. Beim raus fahren grüßten noch fröhlich 2 Kameraden beim wechselseitigen Haare schneiden, die Stimmung auf diesem speziellen Posten hatte schon was von Arkadien.
Unterwegs trafen wir noch einen Riesenaidi, der ungelogen locker 40 km/h über Strecke neben dem Auto herlief. Dann wurde ein Traum von Mama wahr: Hassi Beraber. Man muß wissen, dass die Grenzziehung zwischen Algerien und Marokko sehr kompliziert ist, Danke den Kolonialmächten dafür. Damals wurden nur die Oasen Figuig und Iche als marokkanisch definiert, die anderen Gebiete nicht eindeutig zugewiesen sondern die darauf nomadisierenden Stämme. Dies führt seit der Unabhängigkeit Algeriens zu häufigen Missstimmungen zwischen den Nachbarn - die Grenze ist mal wieder seit 11 Jahren gesperrt - da natürlich jeder so viel Terrain wie möglich haben will. In kaum einer Karte ist die genaue Grenze in diesem Gebiet eingezeichnet, wir hielten uns mal wieder an den bewährten Führer des Monsieur G., der mit dem Tourismusministersegen.

Und Mama wunderte sich schon: warum schreibt G. von Hassi Beraber, ohne die genauen Koordinaten anzugeben? Sonst gibt er die von jedem Gekrittel an und hier nicht von dem berühmten Stufentumulus. Da steht nur, dass die Piste rechts in die Dünen führt, gerade aus zu Hassi Beraber und links hoch auf die Hammada du Guir, die auf weiten Strecken die Grenze bildet, wo der Posten von Bou Klil thront. Wir also die wenig bis nicht befahrene Piste gerade aus - und wir fanden tatsächlich die berühmten Palmen, die seinen Standort am Fuß der Hammada kennzeichnen. Es war erst 15 Uhr, gar viele Tumuli forderten Mamas Aufmerksamkeit, und so beschlossen wir dort zu bleiben. War nett, der Rtem (Retama retama) wuchs dort unglaublich hoch und blühte.


Papa hatte inzwischen oben auf der Abbruchkante der Hammada seltsame tunnelartige Bauten mit dem Fernglas entdeckt - unser Marechal-des-Logis ist auch gut in Aufklärung und Terrainerkundung - die er für algerisch hielt. Oberbefehlshaber wiegelte ab: "kann auch von den Franzosen oder der Legion sein" Ich hatte zwischenzeitlich die terrestrische Aufklärung übernommen, nachdem Mama sich überzeugt hatte, dass, entgegen des Namens Hassi, also Brunnen, hier nichts außer 3er versandter Exhassis zu sehen war, also null Absturzgefahr für mich. Hassi bezeichnet übrigens einen Brackwasserbrunnen, der meist in Flussbetten gegraben wird, ein gemauerter Süßwasserbrunnen heißt Bir.