Mama startete dann eine Erkundungstour, die ich bis zum ersten Richtungswechsel bzw. 5. Tumulus begleitete. Als sie den ersten Schritt Richtung Lager machte, sah ich meine Chance. Truppen rücken ein, Corporal voraus. Nur daß sie auf einen Hügel kletterte, und auf noch einen, und noch einen, um diese Tumuli zu gucken. Sie kam völlig enthusiastisch zurück und schwärmte von den schönsten Tumuli, die sie je sah. Vor allem der eine. Bei dem sie aus unerfindlichen Gründen sofort den Gedanken im Kopf hatte " ...in einem kleinen gallischen Dorf..." Es waren runde Grabbauten mit Eingängen und bis zu 4 Kammern, bis zu 15 m Durchmesser und 3,50 m Höhe. Errichtet im Trockenmauerverfahren, Mama fühlte sich an Indianerkulturen erinnert. Das Ensemble so vor der Kulisse des roten Steilabbruchs der Hammada du Guir hatte was amerikanisches, Arizona, oder weiter südlich, sie konnte es nicht so genau eingrenzen. Das besondere hier waren Größe und Erhaltungszustand. Teilweise waren sie in den 70er Jahren des 20. Jh. von der eingewehten Erde befreit worden und für wissenschaftliche Zwecke durchsucht worden. Einige hatten noch die Orginalverschlußmauer, also ungeöffnete Gräber. Tumuli sind für Grabräuber erfreulich uninteressant, da quasi nie Grabbeigaben zu finden sind, und schon gar keine wertvollen. Aber dennoch sehr imposante Bauten, meint Mama. Na ja, ich finde die zum Gähnen - Mama durchstreunte sie bis zum Sonnenuntergang und am nächsten Morgen gab's noch eine geführte Tour zu den schönsten Plätzen für Papa.









Der Platz insgesamt ist spektakulär, ein Talschluß, überragt von der Hamada, die hier einen großen Kessel bildet. Ein Weiterkommen ist nur zu Fuß möglich. An diesem idyllischen Ort verbrachten wir also die Nacht, direkt am berühmten Palmenfleck. Auf der Rückfahrt besuchten wir - zu meinem Leidwesen - noch mehr von dem Kram. Der berühmte Stufentumulus ist wirklich baufällig, in der Umgebung sind die Steine für Hirtenbehausungen verwendet worden. Ich nistete mich erst mal in einem solchen Azib aus Trockenmauer ein - kenn doch die Menschen beim Steinegucken.



Als wir die Piste im Steilhang begannen, sahen wir schon einen vom Posten lossprinten - scheinbar lag der nicht genau an der Piste. Oben angekommen wurden wir von einem zivil gekleideten und finster blickenden jungen Militär gestoppt. Mama sagt, würde der nicht so finster gucken wäre der richtig Klasse, so Typ edler Wüstenritter mit schwarzem Turban. Es war die Ordonnanz, der Chef kam gemächlich hinterher, und verteilte Mecker, weil wir an Hassi Beraber waren. "Ist neuerdings verboten" hieß es. Mama winkte mal wieder mit dem Führer von Monsieur G., der Wüstenritter guckte noch finsterer und grollte: "Ich kenne diesen Typ persönlich" Na ja, Mama verteilte wieder Zettel und wir fuhren weiter.




Inzwischen waren wir in Ostmarokko angekommen, dem Wilden Osten wie er auch gern genannt wird. Weite Steppen, Nomadenland, Pistazienbäume und Pappeln. Nach einer fiesen Fahrt durch ein von Abflussrinnen zerstörtes Plateau, bei dem es beinahe zum ersten Offroadunfall meiner Halter gekommen wäre, erreichten wir Boudenib.





Bei dem Vorfall habe ich übrigens wieder Disziplin und Corpsgeist gezeigt. Wir fuhren auf einer Technikpiste, die schnurgerade durchs Land gehen, egal welches Terrain. Sie stammt aus der Zeit der seismischen Suche nach Erdöl und enthält wahrhaft dramatische Auf- und Abstiege in den Abflusssystemen am Rande der Hammada. An der Stelle lag Verwitterungsprodukt von Granit, also ganz rundes Zeug, elendig rutschig. Leider hatten meine Menschen das übersehen und nahmen die lange steile Steigung ohne Allrad oder Übersetzung, hatten noch nicht mal die Freilaufnaben gesperrt….. klarer Fall von Leichtsinn durch Routine und zuviel Vertrauen zur Rollhütte. Kurz vor dem Ende des Anstiegs kam der Toyo nicht mehr weiter und rutschte ab - leider nicht nach hinten sondern zusätzlich seitlich, da die Piste auf einer Erosionsrippe langführte. Bremsen griffen nicht, nach 10 Metern fieser Rutschpartie kamen wir zum stehen. Mama raus, Sperren rein, Papa kam vor Hektik auf die Hupe - und ich habe wohl zum einzigen Mal in meinem Leben nicht geantwortet, als der Toyo schrie. Mir war klar, dass meine Kommentare unerwünscht waren. Meine Menschen durften jetzt keinen Fehler mehr machen - die Rollhütte auch nicht. Aber mit Allrad, Untersetzung und Differentialsperren kamen wir aus der fiesen Situation. Ein großer Stein hinter dem rechten Hinterrad hatte unsere Rutschpartie gestoppt. Wenn der nicht da gewesen wäre……. Diese doofe Piste fahren wir jedenfalls nie wieder, das steht fest. Da gab es nämlich noch mehr von diesen dummen Dingern - denen wir uns aber respektvoller näherten, Rutschpartien sind einfach zu stressig, vor allem, wenn man ganz alleine unterwegs ist und nicht weiß, wann in dieser wirklich einsamen Gegend einer kommt.








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